Lebensechte Haut wird Serienmerkmal: Chinas Humanoid-Hersteller entdecken das Silikon
Vom warmhäutigen MoYa aus Shanghai über AheadForms hyperrealistische Roboterköpfe bis zu den Messe-Stars der World Intelligence Expo: 2026 macht China lebensechte Haut vom Forschungsgag zum Produktmerkmal — ein Überblick über die jüngsten Vorstellungen.
Innerhalb weniger Monate haben gleich mehrere chinesische Hersteller Humanoide mit lebensechter Silikon- oder Softskin-Haut vorgestellt. Was 2025 noch Messe-Attraktion war, wird 2026 zum Produktmerkmal — mit dem UBTech UWORLD U1 (30. Juni, 13.361 Bestellungen am ersten Tag) als vorläufigem Höhepunkt. Die wichtigsten Vorstellungen im Überblick:
DroidUp „MoYa” (Shanghai, Januar 2026). Der als „weltweit erster biomimetischer KI-Roboter” vermarktete MoYa geht beim Realismus einen ungewöhnlichen Weg: pneumatische künstliche Muskeln statt Elektromotoren, eine flexibel biegsame Wirbelsäule — und eine Haut, die auf menschliche 32 bis 36 °C beheizt wird. Dazu kommen Mikroexpressionen (Lächeln, Zwinkern, Augenkontakt) und Kameras in den Augen mit Blickverfolgung. Zielmärkte sind Altenpflege, Bildung und kommerzielle Umgebungen; der Markteintritt ist für Ende 2026 geplant, der angekündigte Startpreis liegt bei rund 1,2 Mio. Yuan (ca. 167.000 USD).
AheadForm „Origin F1” (Frühjahr 2026). AheadForm konzentriert sich auf das Schwierigste: das Gesicht. Der hyperrealistische Roboterkopf bewegt Augen, Mund und Gesichtsmuskeln mit 25 bürstenlosen Mikromotoren unter einer mehrschichtigen Haut aus platinvernetztem Silikon, Kameras und Mikrofone sitzen in den Augen. Bei einer viel beachteten Demo im März sang der Kopf — mit wechselbaren Gesichts-Skins. Das Vorgängermodell Elf V1 (Oktober 2025) brachte es auf 30 künstliche Gesichtsmuskeln. Zielgruppen: Human-Robot-Interaction-Forschung und Companion-Plattformen.
World Intelligence Expo Tianjin (Ende Mai 2026). Auf der Messe mit über 700 Ausstellern zeigten hyperrealistische Humanoide mit synthetischer Haut und Echthaar-Perücken, wie weit die Technik inzwischen ist: Blinzeln, Nicken, gehaltener Augenkontakt — Motion-Capture-gestützt. Etablierter Spezialist des Segments bleibt EX-Robots aus Dalian, deren lebensechte Humanoide ab rund 150.000 USD vor allem in Museen stehen.
Einordnung. Der Trend hat zwei Treiber. Erstens öffnet sich neben dem Industrie-Humanoiden ein Companion-Markt (Gesellschaft, Pflege, Empfang), in dem Akzeptanz über Erscheinung läuft — genau hier positionieren UBTech und DroidUp ihre Produkte. Zweitens ist die Haut selbst Sensorfläche geworden: XPengs IRON bettet Berührungssensoren direkt in seine Ganzkörper-Softskin ein und soll Ende 2026 in Massenproduktion gehen. Offen bleibt, ob Kunden das Uncanny Valley dauerhaft akzeptieren — die ersten Auslieferungen des U1 ab September werden es zeigen.
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Quellen
- The world's first biomimetic AI robot just strolled in from the uncanny valley (TechRadar)
- Shanghai unveils MoYa humanoid robot (Interesting Engineering)
- AheadForm robot with realistic facial expressions (Futurism)
- Hyper-realistic humanoids at World Intelligence Expo Tianjin (Xinhua)
- EX-Robots: lifelike humanoids from Dalian (China Daily)
- XPeng Next-Gen IRON (offizielle Mitteilung)