Weltpremiere: Teleoperierter Humanoid-Roboter führt Gallenblasen-OP durch — Nature-Studie der UC San Diego
In einer am 8. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie zeigen Forscher der University of California San Diego, dass ein teleoperierter Unitree-G1-Roboter erfolgreich bei sieben medizinischen Eingriffen mitgewirkt hat — darunter zwei laparoskopische Gallenblasenentfernungen an Schweinen. Der Roboter handelte dabei nicht autonom, sondern wurde vollständig von menschlichen Chirurgen gesteuert.
Forscher des Advanced Robotics and Controls Lab (ARCLab) der University of California San Diego haben in einer am 8. Juli 2026 in Nature publizierten Studie einen neuen Meilenstein für humanoide Roboter in der Medizin dokumentiert: Ein Unitree G1-Roboter führte — teleoperiert von menschlichen Chirurgen — erstmals laparoskopische Operationen an lebenden Tieren durch.
Versuchsaufbau
Das Team entwickelte das System LapSurgie (Laparoscopic Surgery via Humanoid), ein bimanuelles Teleoperationssystem für den Unitree G1. Die Steuerung erfolgte über:
- Motion-Capture-Technologie, die Chirurgenbewegungen auf die Roboterarme übertrug
- Fußpedale zur Instrumentensteuerung
- Master Tool Manipulators (MTMs) des da Vinci Research Kit (dVRK)
⚠️ Wichtiger Hinweis: Der Roboter handelte zu keinem Zeitpunkt autonom. Sämtliche Bewegungen wurden in Echtzeit von einem Chirurgen angeordnet — der Humanoid diente als physische Verlängerung der menschlichen Hand, nicht als eigenständige Entscheidungseinheit.
Durchgeführte Eingriffe
Im Rahmen der Vorstudie absolvierte der G1 insgesamt sieben medizinische Verfahren an Schweinen, darunter:
- Körperliche Untersuchungen
- Notfallinterventionen
- Präzisionsnadel-Aufgaben
- Zwei laparoskopische Cholezystektomien (Gallenblasenentfernungen) — die anspruchsvollsten Eingriffe der Studie
Bei den Gallenblase-OPs koordinierte der Roboter beide Arme gleichzeitig: einen Arm zum Greifen und Halten von Gewebe, den anderen zum Schneiden.
Beteiligte Forscher
Die Studie wurde geleitet von Prof. Michael Yip (ARCLab, UC San Diego) in Zusammenarbeit mit den Chirurgen Charles Goldberg und Preetham Suresh (UC San Diego School of Medicine).
Prof. Yip erklärte: „Diese Studie zeigt, dass humanoide Roboter eine tragfähige Zukunft im Bereich der Chirurgie haben” und sieht „echtes Potenzial, kritische Operationen für Patienten zugänglicher zu machen, die sonst keinen Zugang dazu hätten.”
Einschränkungen
Die Studie benennt mehrere offene Punkte:
- Rekalibrierungsbedarf während der Eingriffe verlängerte die OP-Zeit im Vergleich zu etablierten Systemen wie dem da Vinci
- Latenz zwischen Chirurgenbewegung und Roboterreaktion stellt eine Herausforderung dar
- Alle Versuche fanden an Tieren statt — klinische Studien am Menschen sind noch nicht geplant
Einordnung
Bisherige chirurgische Roboter (z. B. Intuitive Surgicals da Vinci) sind hochspezialisierte Systeme, die nur für festgelegte Eingriffe gebaut werden. Der Vorteil eines Humanoid-Roboters liegt in seiner Vielseitigkeit: Das gleiche Gerät, das heute eine Gallenblase entfernt, könnte morgen Instrumente reichen oder Patientenakten transportieren — ohne dass ein zweites Spezialsystem benötigt wird. Die Studie liefert einen ersten Proof of Concept, dass diese Vielseitigkeit auch im OP-Saal greift.
Die Wahl des Unitree G1 — ein am Markt frei erhältlicher Roboter — unterstreicht, dass für diese Forschungsrichtung keine proprietären Spezialsysteme erforderlich sind, was die Einstiegshürde für weitere Labore senkt.
Quellen
- Surgeons Use Teleoperated Humanoid Robots to Perform Live Surgery – a World First (UC San Diego Today, 09.07.2026)
- In vivo feasibility study of humanoid robots in surgery (Nature, 08.07.2026)
- Robots operated by humans complete surgeries in proof-of-concept trial (UPI, 09.07.2026)
- Surgeons Achieve World First with Teleoperated Humanoid Robot Surgery (Bioengineer.org, 09.07.2026)