EU AI Act: Transparenzpflichten für KI-gestützte Humanoide seit 2. August 2026 in Kraft
Mit dem sogenannten Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744) hat die EU am 2. August 2026 die ersten verbindlichen Transparenzpflichten des EU AI Acts in Kraft gesetzt — darunter die Pflicht, KI-Interaktionen als solche zu kennzeichnen und synthetische Inhalte maschinenlesbar zu markieren. Für Humanoiden als körpergebundene Hochrisiko-KI in Maschinen wurde die volle Pflichtenfülle hingegen auf August 2028 verschoben. Die neue Regulierungskarte macht drei Daten zur Pflichtlektüre für alle, die Humanoide in der EU betreiben oder vermarkten wollen.
Seit dem 2. August 2026 gilt europaweit: Wer KI-fähige Systeme — darunter auch humanoide Roboter — im direkten Kontakt mit Menschen einsetzt, unterliegt erstmals verbindlichen Transparenzpflichten aus dem EU AI Act. Grundlage ist der sogenannte Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744), der am 24. Juli 2026 im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurde und am 27. Juli in Kraft trat.
Was ab 2. August gilt
Der Digital Omnibus teilte den Zeitplan des EU AI Acts in zwei Geschwindigkeiten: Die Transparenzregeln landeten termingerecht, während die schwerere Hochrisiko-Pflichtenfülle deutlich nach hinten verschoben wurde.
Konkret gelten seit 2. August 2026 folgende Anforderungen (Artikel 50 EU AI Act):
- KI-Kenntlichmachung: Systeme, die direkt mit Menschen interagieren — also auch sprachfähige Humanoide in Showrooms, Kliniken oder Fabrikhallen —, müssen Gesprächspartner klar darüber informieren, dass sie mit einem KI-System kommunizieren.
- Synthetische-Inhalte-Markierung: Maschinell erzeugte Audio-, Bild-, Video- und Textinhalte müssen in einem maschinenlesbaren Format markiert werden — dies betrifft insbesondere KI-generierte Sprache und Mimik von Humanoiden.
- Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung: Wo Roboter solche Funktionen einsetzen, sind Nutzer vorab zu informieren.
Deepfake-Kennzeichnung und Chatbot-Offenlegung gelten als die meistbeachteten Pflichten — für Humanoide, die mit Kunden oder Patienten sprechen, sind sie unmittelbar relevant.
Hochrisiko-Pflichten für Humanoide: verschoben bis 2027 und 2028
Der Digital Omnibus hat die Fristen für die eigentlich schwerwiegenderen Hochrisikopflichten deutlich verlängert:
| Kategorie | Neue Frist |
|---|---|
| Hochrisiko-KI in nicht-regulierten Produkten (Anhang III) | 2. Dezember 2027 |
| Hochrisiko-KI in regulierten Maschinen/Produkten (Anhang I) | 2. August 2028 |
| EU-Maschinenverordnung 2023/1230 (KI-fähige Roboter) | 20. Januar 2027 |
Humanoide Roboter, die als KI-gestützte Maschinen eingesetzt werden, fallen unter Anhang I und bekommen damit bis August 2028 Zeit, die vollständige Hochrisiko-Konformität herzustellen — darunter Risikobewertung, technische Dokumentation, menschliche Aufsicht und Registrierung in der EU-Datenbank.
Bedeutung für Hersteller und Betreiber
Die EU-Maschinenverordnung (Regulation 2023/1230) — die explizit Roboter mit digitalen und KI-Komponenten umfasst — wird ab dem 20. Januar 2027 verbindlich. Ab diesem Datum unterliegen KI-fähige Humanoide einem kombinierten Regime aus Maschinenverordnung und EU AI Act.
Für Unternehmen wie NEURA Robotics, die mit MAiRA in europäischen Industriebetrieben aktiv sind, oder für BMW, das mit dem AEON-Roboter von Hexagon Robotics im Leipziger Werk operiert, bedeutet das:
- Sofort (August 2026): KI-Interaktionen gegenüber Beschäftigten und Kunden kenntlich machen.
- Januar 2027: Maschinenverordnungs-Konformität für KI-Roboter sicherstellen.
- August 2028: Vollständige Hochrisiko-Dokumentation für körpergebundene Humanoide.
Einordnung
Der Digital Omnibus folgt einer von der Kommission ausdrücklich gewünschten Priorisierungslogik: Die Transparenzpflichten — politisch am wenigsten umstritten — greifen sofort, während der Aufbau von Konformitätsbewertungsstellen, technischen Normen und Prüfprozessen für Hochrisiko-Maschinen mehr Zeit benötigt. Branchenverbände hatten argumentiert, ein sofortiger Hochrisiko-Trigger ohne fertige Normen wäre nicht administrierbar; der Gesetzgeber folgte dieser Logik.
Für den chinesisch dominierten Export-Markt (97 Prozent der globalen Humanoiden-Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026 kamen von chinesischen Herstellern) ist dies ein relevanter Markteintrittsfaktor: Wer Humanoide im EU-Raum verkaufen oder betreiben will, muss auch die europäische Regulierungskaskade einhalten — unabhängig vom Produktionsstandort.
Die genannten Fristen beziehen sich auf EU-Recht. Nationale Umsetzungsmaßnahmen und sektorspezifische Produktnormen (z. B. für Medizintechnik oder Arbeitssicherheit) können zusätzliche Anforderungen begründen. Unternehmen sollten rechtliche Beratung einholen.
Quellen
- EU Digital Omnibus on AI Enters Into Force (Hunton, 07.2026)
- EU AI Act Digital Omnibus: The New High-Risk AI Deadlines (Secure Privacy, 07.2026)
- EU AI Act Omnibus Agreement — Postponed High-Risk Deadlines and Other Key Changes (Gibson Dunn, 07.2026)
- EU AI Act Update: Digital Omnibus Finalizes 8 Compliance Changes (Orrick, 07.2026)
- Not Delayed, Not Deferred: EU AI Act Transparency Obligations Are Now in Force (Goodwin Law, 08.2026)
- EU AI Act for Humanoid Robots: The Essential 2026 to 2028 Timeline (There's A Robot For That, 2026)