Kawasaki, FANUC und Yaskawa sammeln gemeinsam KI-Trainingsdaten — NEDO fördert VTLA-Datensatzprojekt mit bis zu 2 Milliarden Yen
Drei konkurrierende japanische Roboterhersteller — Kawasaki Heavy Industries, FANUC und Yaskawa Electric — haben im August 2026 ein gemeinsames Projekt zur Sammlung von Taktil-KI-Trainingsdaten gestartet. Unter Beteiligung der Universität Osaka und des Sensorspezialisten FingerVision fördert die staatliche Forschungsagentur NEDO das Vorhaben mit bis zu 2 Milliarden Yen (rund 12,3 Millionen US-Dollar). Ziel ist ein VTLA-Grundlagenmodell aus 5.000 Stunden visueller, taktiler und motorischer Daten aus realen Fertigungsumgebungen.
Drei der bekanntesten Namen der japanischen Industrierobotik — Kawasaki Heavy Industries, FANUC und Yaskawa Electric — haben im August 2026 ein gemeinsames KI-Datensatzprojekt gestartet, das in der Branche bislang ohne Präzedenzfall ist: Konkurrenten teilen Trainingsdaten, um gemeinsam ein Grundlagenmodell für taktil-geführte Roboteraktionen zu entwickeln.
Unterstützt werden die drei Hersteller von der Universität Osaka sowie dem Sensorspezialisten FingerVision. Die staatliche Forschungsagentur NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization) stellt dem Konsortium bis zu 2 Milliarden Yen (rund 12,3 Millionen US-Dollar) zur Verfügung.
Projektziel: VTLA-Grundlagenmodell aus Fabrikdaten
Kern des Projekts ist die Sammlung von 5.000 Stunden kombinierter Sensor-Daten aus realen Industrieumgebungen — konkret aus der Automobilfertigung, der Robotikproduktion und der Lebensmittelverarbeitung. Der Datensatz soll drei Modalitäten vereinen:
- Visuell (Kameradaten aus Roboteranwendungen)
- Taktil (Berührungs- und Kraftdaten über FingerVision-Fingerspitzensensoren)
- Motorisch (Gelenkwinkel, Trajektorien, Greifbewegungen)
Aus diesen Daten soll ein VTLA-Modell (Vision-Tactile-Language-Action) entstehen — ein multimodales Grundlagenmodell, das Sprache, Sehen und Tastsinn kombiniert, um Roboteraktionen in unstrukturierten Umgebungen anzusteuern.
Die Laufzeit ist auf August 2026 bis Juli 2027 festgelegt — ein Jahr, in dem die Datenerhebung und erste Modellversionen abgeschlossen sein sollen.
Strategische Bedeutung: Erstmals Konkurrenten als Partner
Was das Projekt strukturell von bisherigen Kooperationen unterscheidet: Kawasaki, FANUC und Yaskawa sind im Markt für Industrieroboter direkte Konkurrenten. Ihre Entscheidung, gemeinsam Trainingsdaten zu erheben und eine gemeinsame KI-Schicht aufzubauen, folgt einer strategischen Logik: Einzeln verfügt kein Hersteller über ausreichende Datenmenge für ein leistungsfähiges Grundlagenmodell — zusammen übersteigen ihre Installationsbasen kritische Schwellenwerte.
Hinzu kommt der breitere politische Rahmen: Japan hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 rund 30 Prozent des globalen Physical-AI-Markts zu kontrollieren — ein Markt, der laut Branchenprognosen auf über 100 Milliarden US-Dollar anwachsen soll. Die NEDO-Förderung ist Teil dieser nationalen Strategie und ergänzt die NVIDIA-Cosmos-Koalition mit 22 japanischen Industrieunternehmen, die im Juli 2026 initiiert wurde.
Taktilsensorik als Schlüsselkomponente
Die Einbindung von FingerVision adressiert eine konkrete Lücke in bestehenden Robotik-Datensätzen: Während visuelle Daten in großem Umfang verfügbar sind, fehlt es bei taktilen Sensordaten an standardisierten, skalierbaren Erhebungsverfahren. FingerVisions transparente Fingerspitzensensoren ermöglichen gleichzeitige optische und taktile Messung — ein Ansatz, der besonders für Griff- und Montagetasks in der Fertigung relevant ist.
Für die humanoide Robotik ist dieser Datensatz indirekt bedeutsam: Taktile Grundlagenmodelle, die in Industrierobotern trainiert werden, können als Ausgangspunkt für Handmodule humanoider Systeme dienen — ein Transfer, den mehrere japanische Robotikforscher bereits untersuchen.
⚠️ Die konkreten Spezifikationen des VTLA-Modells (Parameteranzahl, Architektur, geplante Veröffentlichung) waren zum Redaktionsschluss nicht öffentlich dokumentiert. Die Angaben zu Förderhöhe und Datenmengenziel basieren auf Medienberichten; eine offizielle NEDO-Pressemitteilung in englischer Sprache lag nicht vor.