Zwei kritische Sicherheitslücken im Unitree G1 EDU: Root-Zugriff per Bluetooth aus 30 Metern
Sicherheitsforscher Olivier Laflamme hat zwei unabhängige Angriffsketten im Unitree G1 EDU offengelegt (CVE-2026-76639, CVE-2026-76640). Beunruhigend: Die gravierendere Lücke erlaubt ohne jede Bluetooth-Kopplung einen wurmfähigen Root-Angriff aus bis zu 30 Metern — und Unitree stellt auf der IFA 2026 in Berlin unverändert betroffene Einheiten aus.
Sicherheitsforscher Olivier Laflamme hat zwei unabhängige Root-RCE-Ketten (Remote Code Execution) im Unitree G1 EDU offengelegt, die sich zu einer besonders gefährlichen, wurmfähigen Angriffskette kombinieren lassen.
Die zwei Schwachstellen
CVE-2026-76640 — Bluetooth-Exploit „UniBLEed” (CVSS 7,5)
Der Angriff beginnt im Bluetooth-Low-Energy-Dienst des G1, der Verbindungen ohne voherige Kopplung akzeptiert. Ein Buffer-Overflow während des WLAN-Provisioning-Prozesses ermöglicht root-level Code-Ausführung auf dem Linux-Kontrollsystem des Roboters — aus bis zu 30 Metern Entfernung, ohne physischen Zugriff und ohne Wissen des Betreibers. Besonders brisant: Ein kompromittierter G1 scannt automatisch nach weiteren Unitree-Einheiten in Bluetooth-Reichweite und infiziert sie weiter. Die Angriffskette ist damit wurmfähig — ein einziger verwundbarer Roboter kann eine gesamte Forschungs- oder Produktionsflotte gefährden.
CVE-2026-76639 — Chatbot-Pfadtraversal + BashRunner (CVSS 8,8)
Der KI-Chatbot-Dienst chat_go akzeptiert „Wissen”-Uploads ohne ausreichende Validierung des Dateinamens. Über eine klassische Pfadtraversal-Nutzlast kann ein Angreifer beliebige Dateien an beliebige Orte im Dateisystem schreiben — auch in ein Verzeichnis, das ein weiterer Dienst namens bashrunner als vertrauenswürdig behandelt und dessen Inhalte mit root-Rechten ausführt. Das Ergebnis: root-Zugriff über das Netzwerk.
Patch-Status und Unitree-Reaktion
Unitree hat die Cloud-seitige Schwachstelle (fehlendes Roboter-Eigentümer-Prüfung beim Schlüsselreset) bereits im Juli 2026 geschlossen und dem Forscher insgesamt 5.000 US-Dollar Bug-Bounty ausgezahlt. Ein bestätigtes Firmware-Update, das CVE-2026-76640 (Bluetooth) und CVE-2026-76639 (chatgo) vollständig schließt, liegt zum Zeitpunkt dieser Meldung nicht vor — G1-EDU-Betreiber haben keinen bestätigten Fixtermin.
IFA 2026: Unveränderte Einheiten im Messetrubel
Zeitgleich stellt Unitree Robotics auf der IFA 2026 in Berlin (5.–9. September 2026) seine G1-Roboter öffentlich aus — darunter eine „Robots on the Runway”-Präsentation am 5. September. Laut TechTimes-Bericht vom 4. September sind die auf der Messe gezeigten Einheiten von den Bluetooth-Exploits betroffen und tragen ungepatchte Firmware; eine EU-weite Importbeschränkung für das Modell besteht derzeit nicht.
Einordnung
Die Kombination aus fehlender Bluetooth-Authentifizierung, wurmfähiger Verbreitung und dem fehlenden Firmware-Patch macht CVE-2026-76640 zu einer der bisher schwerwiegendsten dokumentierten Sicherheitslücken bei einem kommerziell vertriebenen Humanoid. Für G1-EDU-Betreiber empfiehlt der Forscher, den Bluetooth-Dienst zu deaktivieren und das Gerät vom allgemeinen Netz zu isolieren, bis ein offizieller Patch vorliegt. Forschungseinrichtungen mit mehreren G1-Einheiten sind besonders exponiert, da der Wurm-Mechanismus eine Flottenkompromittierung aus einem einzigen Gerät ermöglicht.
Quellen
- UniBLEed: Unauthenticated Root RCE on Any Unitree G1 Humanoid Robot Within Bluetooth Range (boschko.ca, Sicherheitsforscher Olivier Laflamme)
- Two Unitree G1 EDU Humanoid Robot Flaws Enable Root RCE, One Starts Over Bluetooth (The Hacker News)
- Unitree Humanoid Robots Hacked From 30 Meters; EU Buyers at IFA Face No Import Restriction (TechTimes, 04.09.2026)
- Hackers Can Take Full Control of Unitree G1 Humanoid Robots Over Bluetooth (CybersecurityNews)
- Hack One Robot, Reach the Next: Unitree G1 Security Flaws (Security Affairs)
- Unitree G1 Humanoid Robot Flaws Allow Unauthenticated Root RCE Over Bluetooth (GBHackers)