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4.9.2026 · Redaktion

Zwei kritische Sicherheitslücken im Unitree G1 EDU: Root-Zugriff per Bluetooth aus 30 Metern

Sicherheitsforscher Olivier Laflamme hat zwei unabhängige Angriffsketten im Unitree G1 EDU offengelegt (CVE-2026-76639, CVE-2026-76640). Beunruhigend: Die gravierendere Lücke erlaubt ohne jede Bluetooth-Kopplung einen wurmfähigen Root-Angriff aus bis zu 30 Metern — und Unitree stellt auf der IFA 2026 in Berlin unverändert betroffene Einheiten aus.

Sicherheitsforscher Olivier Laflamme hat zwei unabhängige Root-RCE-Ketten (Remote Code Execution) im Unitree G1 EDU offengelegt, die sich zu einer besonders gefährlichen, wurmfähigen Angriffskette kombinieren lassen.

Die zwei Schwachstellen

CVE-2026-76640 — Bluetooth-Exploit „UniBLEed” (CVSS 7,5)

Der Angriff beginnt im Bluetooth-Low-Energy-Dienst des G1, der Verbindungen ohne voherige Kopplung akzeptiert. Ein Buffer-Overflow während des WLAN-Provisioning-Prozesses ermöglicht root-level Code-Ausführung auf dem Linux-Kontrollsystem des Roboters — aus bis zu 30 Metern Entfernung, ohne physischen Zugriff und ohne Wissen des Betreibers. Besonders brisant: Ein kompromittierter G1 scannt automatisch nach weiteren Unitree-Einheiten in Bluetooth-Reichweite und infiziert sie weiter. Die Angriffskette ist damit wurmfähig — ein einziger verwundbarer Roboter kann eine gesamte Forschungs- oder Produktionsflotte gefährden.

CVE-2026-76639 — Chatbot-Pfadtraversal + BashRunner (CVSS 8,8)

Der KI-Chatbot-Dienst chat_go akzeptiert „Wissen”-Uploads ohne ausreichende Validierung des Dateinamens. Über eine klassische Pfadtraversal-Nutzlast kann ein Angreifer beliebige Dateien an beliebige Orte im Dateisystem schreiben — auch in ein Verzeichnis, das ein weiterer Dienst namens bashrunner als vertrauenswürdig behandelt und dessen Inhalte mit root-Rechten ausführt. Das Ergebnis: root-Zugriff über das Netzwerk.

Patch-Status und Unitree-Reaktion

Unitree hat die Cloud-seitige Schwachstelle (fehlendes Roboter-Eigentümer-Prüfung beim Schlüsselreset) bereits im Juli 2026 geschlossen und dem Forscher insgesamt 5.000 US-Dollar Bug-Bounty ausgezahlt. Ein bestätigtes Firmware-Update, das CVE-2026-76640 (Bluetooth) und CVE-2026-76639 (chatgo) vollständig schließt, liegt zum Zeitpunkt dieser Meldung nicht vor — G1-EDU-Betreiber haben keinen bestätigten Fixtermin.

IFA 2026: Unveränderte Einheiten im Messetrubel

Zeitgleich stellt Unitree Robotics auf der IFA 2026 in Berlin (5.–9. September 2026) seine G1-Roboter öffentlich aus — darunter eine „Robots on the Runway”-Präsentation am 5. September. Laut TechTimes-Bericht vom 4. September sind die auf der Messe gezeigten Einheiten von den Bluetooth-Exploits betroffen und tragen ungepatchte Firmware; eine EU-weite Importbeschränkung für das Modell besteht derzeit nicht.

Einordnung

Die Kombination aus fehlender Bluetooth-Authentifizierung, wurmfähiger Verbreitung und dem fehlenden Firmware-Patch macht CVE-2026-76640 zu einer der bisher schwerwiegendsten dokumentierten Sicherheitslücken bei einem kommerziell vertriebenen Humanoid. Für G1-EDU-Betreiber empfiehlt der Forscher, den Bluetooth-Dienst zu deaktivieren und das Gerät vom allgemeinen Netz zu isolieren, bis ein offizieller Patch vorliegt. Forschungseinrichtungen mit mehreren G1-Einheiten sind besonders exponiert, da der Wurm-Mechanismus eine Flottenkompromittierung aus einem einzigen Gerät ermöglicht.

Quellen

  1. UniBLEed: Unauthenticated Root RCE on Any Unitree G1 Humanoid Robot Within Bluetooth Range (boschko.ca, Sicherheitsforscher Olivier Laflamme)
  2. Two Unitree G1 EDU Humanoid Robot Flaws Enable Root RCE, One Starts Over Bluetooth (The Hacker News)
  3. Unitree Humanoid Robots Hacked From 30 Meters; EU Buyers at IFA Face No Import Restriction (TechTimes, 04.09.2026)
  4. Hackers Can Take Full Control of Unitree G1 Humanoid Robots Over Bluetooth (CybersecurityNews)
  5. Hack One Robot, Reach the Next: Unitree G1 Security Flaws (Security Affairs)
  6. Unitree G1 Humanoid Robot Flaws Allow Unauthenticated Root RCE Over Bluetooth (GBHackers)