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8.9.2026 · Redaktion

IFA Berlin 2026: Spektakuläre Demos — aber funktionierende Arbeitsroboter blieben Mangelware

Die IFA Berlin 2026 endete am 8. September mit Rückblicken, die das Bild einer Branche im Übergang zeichnen: Humanoide absolvierten auf dem Runway Wäschewaschen, Rückwärtssaltos und traten in Pandakostümen auf — doch Branchenbeobachter hielten fest, dass echte, zuverlässig arbeitende Roboter auf dem Shopfloor oder im Haushalt bei der Mehrzahl der Aussteller noch Zukunftsmusik blieben.

→ Vorschau-Artikel: IFA Berlin 2026: Erstmals in 102 Jahren laufen Humanoide über den Laufsteg

Die Internationale Funkausstellung Berlin ist Geschichte — zumindest diese Ausgabe. Vom 4. bis 8. September 2026 öffnete die IFA ihre Tore, und Humanoide standen wie nie zuvor im Mittelpunkt. Was blieb nach fünf Tagen?

Was auf dem Runway wirklich passierte

Das Kernformat „Robots on the Runway” — elf Unternehmen, darunter Unitree, AgiBot, EngineAI, Deep Robotics und AIMOGA — lieferte, was es versprach: eine Mischung aus Technikmesse und Modenschau. Laut Euronews (08.09.2026) gehörten zu den Demonstrationen auf der Creator Stage auch das Ausführen von Rückwärtssaltos und die Vorführung von Wäschewaschen — und mindestens ein Roboter trat sprichwörtlich im Pandakostüm auf.

Das illustriert eine Tendenz, die sich durch die gesamte IFA zog: Chinesische Aussteller — mit 932 Marken bei weitem die stärkste Gruppe — setzten auf visuelle Wirkung. Bewegungsagilität, Tanzchoreografien, interaktive Spielereien, kulturell verankerte Performances (Kalligrafie, Tai Chi) — das alles ließ sich einem breiten, nicht-fachkundigen IFA-Publikum eindrucksvoll vermitteln.

Die kritische Perspektive: Arbeitende Roboter als Ausnahme

Branchenbeobachter zogen allerdings eine nüchternere Bilanz. BigGo Finance fasste das Bild in einer prägnanten Formulierung zusammen: „China Dazzles with Dance Moves, but Working Robots Remain Elusive” — China beeindruckt mit Bewegungsdemos, aber zuverlässig arbeitende Roboter blieben die Ausnahme.

Gemeint ist die Lücke zwischen Showroom-Performance und produktivem Dauereinsatz: Was auf einem strukturierten Catwalk funktioniert — weil Boden, Beleuchtung, Aufgaben und Timing vorgegeben sind — ist nicht dasselbe wie ein Roboter, der in einer Fabrikschicht oder einem Haushalt autonom repetitive Aufgaben erledigt. Diese Anforderung erfüllte bei der Mehrheit der Aussteller kein einziges vorgeführtes System.

Ausnahmen bestätigten die Regel: NEURA Robotics aus Metzingen verwies auf seinen 4NE1 und den mobilen Manipulator MiPA als kommerzielle Systeme (nicht mehr als Prototypen), und AgiBot dokumentierte mit der Kalligrafie-Demo tatsächliche Kraftregelung in Echtzeit.

LG: Vision vom Zero-Labor-Zuhause

Zum Schlusspunkt der Messe gehört auch ein Auftritt von LG Electronics — nicht mit einem fertigen Humanoid, sondern mit dem Konzept des „Zero Labor Home”: ein Haushalt, in dem KI-gesteuerte Roboter alle Routineaufgaben übernehmen. LG-Roboter galten dabei als Kernelement der präsentierten Vision. Konkrete Markteinführungstermine oder verbraucherfertige Systeme stellte LG nicht vor.

Einordnung: IFA als Kulturindikator

Die IFA ist keine Robotik-Fachmesse, und das bleibt ihr entscheidender Kontext. Dass Humanoide 2026 neben Smartphones, Haushaltsgeräten und TVs auf dem Catwalk stehen, ist in erster Linie ein kultureller Indikator: Die Technologie verlässt die Fachpresse und erreicht das Massenbewusstsein — nicht als Science-Fiction, sondern als kaufbarer oder zumindest greifbarer Gegenstand.

Was die IFA nicht leisten kann — und auch nicht vorgibt zu leisten — ist die Verifikation kommerzieller Reife. Dafür braucht es unabhängige Tests, Langzeitdaten und Deployments außerhalb von Showrooms. Die in Stuttgart (Humanoid Robots Summit, 9.–11. September) geführten Diskussionen über Sicherheitsnormen, Haftung und Fertigungsinfrastruktur spiegeln die andere, rauere Seite derselben Branche wider.

Quellenhinweis: Angaben zu Demonstrationen (Rückwärtssaltos, Wäschewaschen, Pandakostüm) basieren auf Euronews (08.09.2026). Die kritische Gesamtbewertung stützt sich auf BigGo Finance (08.09.2026). IFA-Pressemitteilung und BGR bestätigen die allgemeinen Messehighlights. Das LG-„Zero-Labor-Home”-Konzept ist durch mehrere Quellen als IFA-Highlight erwähnt, aber ohne spezifische Produktdetails verifizierbar.

Quellen

  1. IFA 2026: Humanoid robots on the runway, Physical AI and intelligent helpers for everyday life (IFA Berlin, offizielle Pressemitteilung, 2026)
  2. Laundry, backflips and panda suits — Humanoid robots take over IFA 2026 (Euronews, 08.09.2026)
  3. IFA 2026 Robot Showdown: China Dazzles with Dance Moves, but Working Robots Remain Elusive (BigGo Finance, 08.09.2026)
  4. IFA 2026 Highlights: The Robotic Future Comes In Many Forms (BGR, 2026)